Anne Pfeifer

24.02.-01.04.2016

SPLITTERSTÜCKE

 

Identität gehört heute zu den zentralen Themen theoretischer und medialer Diskurse. Die Künstlerin greift diesen Diskurs in ihrer Videoinstallation ‚SPLITTERSTÜCKE‘, die in Zusammenarbeit mit Bernhard Kreutzer entstand, auf. Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Wie bedingt meine äußere Umgebungen mein Inneres selbst? Identitätsbildung erfolgt in Relation zu anderen Personen - dabei wirken komplexe Netzwerke sozialer Verhältnisse auf mich ein und vereinen die gegensätzlichsten Strukturen, Logiken, Dynamiken, Denkweisen mit einander und verformen sie zu einer Einheit. Wieviel steckt von meinem Gegenüber in mir? Vier Monitore zeigen vier Personen mit unterschiedlichen Haut-und Haarfarben, den Blick starr auf den Betrachter fokussieren fährt ihre Hand mit einer Spiegelscherbe, zwischen Daumen und Zeigefinger durch ihr Gesicht. In dem Splitterstücken reflektiert sich je ein Teil des Anderen: Identitätsmöglichkeiten werden zu einem neuen Teil des eigenen Gesichts. In abwechselnder Abfolge und Dauer, spiegelt sich die gleich Gesichtspartie einer Anderen Person in den Scherben wieder. Es entstehen starke Kontraste aber genauso werden Ähnlichkeiten sichtbar. Auf der individuellen Suche nach dem, was jenseits kategorischer Zuschreibungen Identität sein kann, liefern die gezeigten Personen, zwei davon die Künstler selber, das faktische Moment, sich selbst im anderen wieder zuerkennen.

 

Text von den Kuratoren der KOORDINATEN 

Mehr zur Künstlerin finden hier 

ZEICHNUNGEN - IN BETWEEN

Die Ästhetik der zeichnerischen Arbeiten von Anne Pfeifer ist eng verknüpft mit Reflexionen der Wissenschaft. Kunst arbeitet oft mit dem unmittelbaren Eindruck, und der kann sowohl auf Befremdung und Distanz, als auch auf Überwältigung hinauslaufen. Hier setzt Anne Pfeifer an und führt dem Betrachter das Kleine, Unscheinbare vor Augen. Aus einem Gemisch von Formen und organischen Strukturen präsentiert die Künstlerin eine fulminante Trennung und Charakterisierung einzelner Elemente. Sie greift ein Spannungsfeld zwischen Kunst und Wissenschaft auf und bezieht sich dabei auf den menschlichen Körper. Pfeifer seziert in ihren Zeichnungen das Innere nach Außen und transformiert Formen von Zellen, Organen und einzelnen Strukturen. Aus einer Perspektive auf wissenschaftliche Parameter entstehen ästhetisch ansprechende Formen und Figuren.Pfeifer präsentiert Wissenschaft im Spiegel der zeitgenössischen Kunst. Die Kunst hat dabei aber keine epistemischen Verpflichtungen gegenüber der Wissenschaft, sie wird zum Produkt eines Wahrnehmungsprozesses und lenkt die Sichtweisen auf die kleinen Dinge.

Text von den Kuratoren KOORDINATEN 

Zurück